Neustart

Es ist kurz vor 5.00 Uhr morgens und ich hock am Schreibtisch und sortiere Unterlagen. Bis jetzt habe ich diese Nacht noch kein Auge zugetan. Warum weiß ich nicht.

Aber es geht mir gut. Es ist kein müdes Vor- mich- hin- geschleppe.
Ich bin schlicht und einfach nicht müde. Also bin ich aufgestanden und hab ich nützlich gemacht.

In mir ist Aufbruchstimmung.
Ein neues Jahr steht an. 2019.
Früher rechnete ich immer voraus, welches Alter ich zu dieser und jener Jahreszahl haben würde. Und es war irgendwie unvorstellbar jenseits der 1999 noch am Leben zu sein.
Nun sind es beinahe 20 Jahre her, seit die Welt das Millennium gefeiert hat. 19 Jahre, in denen die Welt schon mindestens 19 Mal untergegangen ist.

6935 Tage.
6935 Nächte.

6935 Mal ist die Sonne auf- und wieder untergegangen. Fühlt es sich so viel an?
Ich habe mir nie darüber Gedanken gemacht. Irgendwie fühlen sich 6935 Sonnenaufgänge viel mehr an, als ich es tatsächlich bewusst wahrgenommen habe.

In meinem Leben habe ich bereits 11 315 Sonnenaufgänge erlebt.

Das hört sich irgendwie schöner an wie „Ich bin 31 Jahre alt.“
Es wäre doch nett, wenn man in Sonnenaufgängen zählen könnte.

„Wie alt sind Sie denn?“
„Ach, ich bin 11 315 Sonnenaufgänge alt.“

So viel dazu.

Ich war bei der Aufbruchsstimmung.

Ein neues Jahr bricht an. 2019.
Gleichzeitig bricht für mich auch ein neuer Abschnitt an: Am 02. Januar beginne ich an einer neuen Arbeitsstelle.

Es ist ein unglaubliches Gefühl. Eine Vorfreude, gemischt mit Angst, Gespanntsein und Dankbarkeit. Und dem unbedingten Willen, meine Sache gut zu machen.

Eine Festanstellung zu haben ist jetzt genau der richtige Schritt, um wieder auf die Füße zu kommen!

Klar, es wird herausfordernd. Schon allein meine Schwierigkeiten mit dem Aufstehen verursachen Herzrasen und Schweißausbrüche. Krieg ich das hin?

Und das Duschen… schaffe ich es?

Wo krieg ich anständige Kleidung her?

Und Schuhe?

Reicht meine Kraft aus?

Wird es sehr anstrengend, bis ich mich eingewöhnt habe?

Ja. Da ist Angst. Aber auch Trotz, die letzten anderthalb Jahre Therapie in der Praxis zu testen.
Jetzt ist die Chance, zu handeln.

In der Bibel steht im Judasbrief „Ein Glaube ohne Taten ist wertlos.“
Mit dem Wissen ist es auch so. Wenn ich mein Wissen nicht in Taten einsetze, ist mein Wissen nichts wert.

Ich habe viel Wissen. Viel nützliches und viel unnützes Wissen.
Ich weiß wieso der Himmel blau ist, wieso in der Teflonpfanne nichts kleben bleibt und wie die Plastikenden an den Schnürsenkeln heißen. Ich weiß, dass Pinguine Knie haben und Heuschrecken ihre Ohren an den Beinen. Ich weiß die Wurzel von 17 auswendig und weiß, wie man Fisch in der Spülmaschine zubereitet und Brot mit dem Bügeleisen toastet.

Doch was nutzt all dieses Wissen, wenn es in meinem Kopf bleibt?
Es verleitet nur zur Überheblichkeit und Hochmut.

Ich war ein Klugscheißer. Durch und durch.

Jetzt werde ich ein Bessertäter.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s