Der Stand des Faulpelzes in Gottes Reich

Zur Zeit arbeite ich hart in der Therapie. An mir. An der bequemen und faulen Ines. Ich habe ihr einen anderen Namen gegeben. Ich habe sie Ratte genannt.

Viele Alltagsnotwendigkeiten erledige ich nicht, weil ich schlichtweg zu faul bin. Müll rausbringen, pünktlich aufstehen, Hausaufgaben machen, mich mit mir auseinandersetzen, putzen, Termine einhalten, duschen, Aufgaben erfüllen, kochen, gut mit Geld umgehen,… undsoweiterundsofort.

Mal faul zu sein, ist nichts schlimmes. Aber es kommt – wie so oft – auf das Maß an. Und auch darauf, wann ich mir die Faulheit „gönne“ oder ob sich die Faulheit die Herrschaft in meinem Leben „gönnt“. Heute bin ich nicht in den Gottesdienst, weil ich zu faul war, mich zu waschen und anzuziehen. Stattdessen lag ich bis 15h im Bett. Nachdem die Katze eine Weile auf mir rumgeturnt ist und meine Blase etwas genörgelt hat, hab ich mich aus dem Bett gewuchtet.
Ich hab es nicht mal genossen, im Bett zu liegen. Weil ich genau wusste, dass es eine falsche Entscheidung war: dem Gottesdienst fernbleiben und meiner Faulheit freie Hand zu lassen.

In der Ergo habe ich schon zwei Mal gegen Ratte geboxt (am Boxsack). Frau S. ist in die Rolle von Ratte und ich war ich. Beim zweiten Boxtermin kam vieles aus mir raus und ich war fest entschlossen, Ratte nie wieder Raum zu geben in mir und meinem Leben. Natürlich bin damit grandios gescheitert. Die ersten Tage gingen ganz ok, doch ich hatte nicht damit gerechnet, dass in so vielen kleinen Augenblicken ein Kampf ansteht gegen die Faulheit.

Schon wenn ich morgens aufstehe, geht es los damit, Ratte in Schacht zu halten und ihr keinen Raum zu geben. Dann im Bad: Dusche oder Waschlappen? Shampoo oder Bürste? Dann vorm Kleiderschrank: Gammelshirt oder ordentlich? Jeans oder Jogginghose? In der Küche: Bibel oder Kreuzworträtsel? Nichtstun oder Frühstück? Hunger oder Vesper für den Tag? Müll in den Keller oder überquellen lassen und andere diese Aufgabe erledigen lassen? Außer Haus: Bus oder Zug? 20 Minuten zu Fuß oder 5 Minuten? Coffee to go oder Busfahrkarte? Eiskugel und schwarzfahren oder warmes Wasser aus der Wasserflasche und ehrlich sein?
Und ich bin noch nicht mal bei der Hälfte des Tages angekommen…

Nachdem ich heute Nachmittag aus dem Bett gefallen bin, sitze ich in der Küche und lese in dem Buch „Sprüche“ in der Bibel. Mein Augenmerk fällt auf einen Vers, in dem steht „Faulheit macht schläfrig und wer träge ist, muss hungern.“ (Sprüche 19, 15)

Autsch.

Ich habe heute bis in den Nachmittag hinein geschlafen. Und habe seit einer Woche kein Geld mehr, was natürlich auch auf meine Nahrungsmittelzufuhr Auswirkungen hat. (Ich muss nicht wirklich hungern, aber ich kann nicht für mich selbst sorgen, sondern bin auf die Hilfe von anderen angewiesen).

Mein Interesse ist geweckt: Was denkt Gott über den Faulpelz?
Ich forsche weiter.

Es gibt viele Stellen in der Bibel, die sich über Faulheit, Trägheit, Müßiggang, etc auslassen. Es erschreckt mich. Und öffnet mir die Augen: Ich habe keinen guten Stand bei Gott mit meiner Faulheit.

Ich forsche weiter in der französischen, englischen und italienischen Bibel, in verschiedenen Übersetzungen.

Gott hat mich gepackt. Erwischt. Entlarvt. Ich werde etwas ändern müssen. Ich will etwas ändern.
Doch ohne Gott schaffe ich es nicht. Er muss mir helfen, konsequent zu bleiben.

Bitte hilf mir, Ewiger. Hab Gnade und Erbarmen mit mir. Fordere mich und forme mich. Lehre mich Demut und Fleiß. Mach mich zu einer Frau nach deinem Herzen, damit mein Herz im selben Takt schlägt wie deines.

Ich mache mich wieder auf. Gestärkt durch Gottes Ermahnung.

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