Die größte aller Aufgaben

Jeder Mensch, insbesondere jede Frau, kennt das Auf und Ab der Gefühle. Hin und Her der Gedanken. Vor und Zurück des Wollens und Vollbringens.

Auch ich erlebe diese Tage die ganze Dimension des Gefühlskarussells. Auf und ab, hin und her, vor und zurück.

Eigentlich geht es mir doch gut. Wieso nur spüre ich so einen emotionalen Shitstorm in mir? Übertragen andere Menschen um mich herum ihre Wut und ihre Agression auf mich oder ist sie in mir drin? Wie gehe ich damit um?

Es gibt vieles, für das ich momentan dankbar sein kann. Ein gutes und schönes Zuhause, ein Vorwärtskommen in der Therapie, Gebrauchtwerden im Buchladen, die Katze zuhause, ein Vorstellungsgespräch für eine Stelle, die mich sehr sehr sehr interessiert, Sonnenschein, Kaffee, und so weiter.

Doch in mir spüre ich, dass irgend etwas nicht stimmt.

Meine Familiensituation beschäftigt mich. Meine Mutter hatte vor ein paar Tagen Geburtstag. In wenigen Tagen hat meine Nichte ihren ersten Geburtstag. Ich vermisse meinen Neffen Paul.

Es fühlt sich wie Versagen an, dass ich keinen Kontakt mehr zu Paul habe. Ich wollte immer eine Tante sein, die für ihn da ist. Die ihn erleben und spüren lässt, dass er bedingungslos geliebt ist. Ich wollte eine Tante sein, zu der er Vertrauen hat und auf die er sich verlassen kann und zu der er immer kommen kann.

Und nun? Wenn ich reflektiere, dann sehe ich, dass nichts von all dem eingetreten ist. Es macht mich traurig. Tränen kullern mir über die Wange. Und unweigerlich frage ich mich, ob ich etwas in ihm kaputt gemacht habe, indem ich einfach weggegangen bin. Aber im Gegensatz weiß ich auch, dass meine Abwesenheit ihn wahrscheinlich besser schützt wie mein Dasein.

Mein Gebet ist, dass er in dem tiefen Vertrauen und der Gewissheit aufwachsen darf, geliebt und wertvoll zu sein – egal was seine Eltern, seine Großeltern, seine Geschwister, seine Cousinen und Cousins und seine Tanten und Onkel tun oder lassen oder sagen oder nicht sagen. Ich bete für ihn – mehr kann ich momentan nicht tun.

Und doch scheint es mir so viel mehr zu sein, als wenn ich bei ihm wäre.

Diese Großzügigkeit Gottes, Menschen in seinen Segen zu hüllen – wie groß ist es, dass es nicht von meiner Nähe oder Distanz zu meinem Neffen abhängig ist. Ich weiß, dass Gott bei Paul ist.

Diese doch irgendwie überraschende Erkenntnis macht mein Herz ein wenig ruhiger und ich freue mich, dass ich zu der wichtigsten Sache in Pauls Leben beitragen kann: Gottes Wege zu gehen und Gottes Liebe und Geborgenheit zu erfahren.

Welche Aufgabe könnte wichtiger und größer sein, als seine Geliebten und Ungeliebten vor den Thron Gottes zu bringen?

Im Gottesdienst gestern ging es u.a. darum, füreinander im Gebet einzustehen. Sich gegenseitig vor Gottes Thron zu bringen. Und gerade in schwierigen Zeiten zusammen zu rücken und gemeinsam im Gebet und durch Gebet das Leben zu durchkämpfen.

Ich denke darüber nach, wieso ich so mundfaul gegenüber Gott bin? Wieso ist es so schwer für mich, mich mit ihm zu unterhalten. Laut. Nicht nur in Gedanken.
Nun, es hängt damit zusammen, dass ich irgendwann gelernt habe, nicht mehr laut meine Gedanken zu äußern. Insbesondere meinem Stiefvater oder Männern gegenüber. Ich lerne in Gedanken zu formulieren und zu sagen, was richtig ist. Das habe ich dann ausgeweitet auf meine Mutter, meine Geschwister, meine gesamte Familie. Und auch auf Gott.
Aus Angst, die andere Meinung zu hören.

Im Kopf ist mir klar, dass ich bei Gott keine Angst haben brauche. Ich weiß ja, dass er es besser weiß. Doch darum geht es nicht. Bei Gott darf ich sagen was ich denke – und wenn ich es mit ehrlichem Herzen tu und nicht nur fromme Floskeln und Phrasen schwing, dann entsteht ein Dialog, in dem Gott mich ernst nimmt.

In der Bibel gibt es immer wieder Situationen der Israeliten, in denen sie vor einem Krieg mit einem anderen Volk stehen. Ab und an sagt Gott „kämpft nicht! Die Lobpreiser, die Musik mir zur Ehren machen, sollen vor dem Heer dem Feind entgegen gehen.“ Und in jeder einzelnen Situation siegten die Israeliten über das andere Volk.

Für die Musiker war das sicherlich kein angenehmes Gefühl, ohne militärischen Schutz einem Feind entgegen zu ziehen, das dem eigenen Volk zahlen- und kräftemäßig bei weitem überlegen war. Doch nur dadurch, dass sie Vertrauen zu Gott lebten, an die Front gingen und Musik zu Gottes Ehre machten, erlebte das ganze Volk Israel einen Sieg.

Ich bin Musikerin. Lobpreiserin mit jeder Faser meines Herzens. Und ich möchte mich darauf einlassen, in den Kampf zu ziehen gegen die Feinde meiner Mitmenschen. Feinde wie Krankheit, Einsamkeit, finanzielle Not, Neid, Eifersucht, Hass, andere Menschen, irgendwelches Leid.

Mit Jesu Blut auf meiner Flagge gehe ich mit neuem Mut und neuem Bewusstsein in den Kampf.

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