Wie ein falsches Bild unser Leben beeinflussen kann

Vor zwei Wochen verletzte ich mich am Ellbogen beim Boxen. Nachdem meine Hausärztin mich zu weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus geschickt hatte, wurde mir dort eine Gipsschiene verpasst. Diagnose: Bruch des Radiusköpfchens und Verletzung von mindestens einem Band.

Bumm.

Als Musikerin konnte ich mir was prickelnderes vorstellen, als ne olle Schiene zu tragen.

Nun war ich gestern zum Verbandswechsel bei meiner Ärztin. Ich händigte ihr das Röntgenbild aus und beobachtete, wie ihr das Gesicht aus dem Gesicht glitt. Fassungslos starrte sie das Bild und dann mich an und fragte „Ist das das richtige Bild?“. Ich bejahte und fragte, was los sei. Etwas, das meine sonst so ausgeglichene Hausärztin aus der Ruhe brachte, machte mich unruhig.

Sie seufzte tief und sagte „Das ist nicht Ihr Arm. Es ist weder ein rechter Arm zu sehen, noch kann ich mich nicht daran erinnern, dass Sie Helmut heißen.“

Öhm. Da war sogar ich sprachlos. Zwei Wochen umsonst die Schiene getragen.

Bei dem angeforderten und prompt gelieferten richtigen Röntgenbild war nichts zu sehen. Keine Fraktur, keine Verrenkung, keine Auskugelung.
Heute muss ich allerdings nochmal zum MRT, um die Bänder checken zu lassen.

Der ganze Vorfall stimmt mich nachdenklich. Ich bin Gott dankbar, dass ich keinen Schaden davon getragen habe. Doch frage ich mich, wie es wohl Helmut ergangen ist. Wurde er richtig behandelt? Hat er Nachteile erlitten? Es beschäftigt mich.

Mein Wahlonkel Klaus sagte „sei froh, dass sie dir kein Bein amputiert haben.“ Ich muss lachen. Ja, besser arm dran wie Bein ab.
Ärzte sind eben auch nur Menschen. Ich nehm es mit Humor.

Doch ich denke darüber nach, wie uns ein falsches Bild von einer Person, von uns, von einer Situation, von was auch immer, beeinflusst.
In den zwei Wochen mit Schiene war ich doch eingeschränkt. Nicht unbedingt im alltäglichen Leben. Schreiben, duschen, Zähneputzen, kochen, Ladendienst – das schaffte ich alles mit links 😉  Doch im Inneren beschränkte es mich. Ich konnte keine Musik machen, keinen Sport, keine Holzarbeit, kein Handwerk – all diese Dinge, die mir Luft zum Atmen verschaffen. Dafür hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Zum Beispiel über die Frage, warum es in der Natur keinen Kubismus gibt, warum es so gut wie keinen Herz- Krebs gibt und ob es ein Instrument gibt, das man mit einer Hand spielen kann.
Aber auch über alltagsrelevante Themen. Beispielsweise was einem Menschen Wert gibt, was einem Menschen Wert nimmt, ob es so etwas wie eine Daseinsberechtigung gibt und wie ich Nächstenliebe innerhalb meiner Grenzen und Möglichkeiten leben kann und ausweiten.

Nunja, ich war nun nur durch ein falschen Röntgenbild eingeschränkt. Doch wie oft schränke ich mich selbst ein, indem ich ein falsches Bild von mir oder anderen oder einer Situation habe? Warum passe ich das Bild über andere, immer meinen bekannten und schon da gewesenen Parameter an?

Natürlich ist das nicht schlecht, wenn wir schon Parameter haben. Das sind erlernte und hilfreiche Äquivalente, die uns auch schützen können. Aber manchmal müssen wir unser Äquivalentensortiment überprüfen. Vor allem dann, wenn wir stecken bleiben oder wir merken, dass wir dabei zu Grunde gehen oder uns aufreiben.

Ich möchte dich einladen und herausfordern, in den nächsten Tagen deine Einschätzungen über andere und dich selbst zu beobachten und zu revedieren.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s