Heute ist Dienstag

Es ist wieder einmal Dienstag. Der zweite Mai. Bald habe ich Geburtstag und werde 30 Jahre alt. Eigentlich wollte ich mit Freunden hier Feiern, doch lediglich eine Person von den 13 eingeladenen hat zugesagt.

Das deprimiert mich. Davor hatte ich Angst. Etwas für mich zu organisieren und einzuladen und dann kommt keiner. Natürlich weiß ich in meinem Kopf, dass die Leute nicht abgesagt haben, weil sie mich nicht mögen. Doch irgendwie- tut es trotzdem weh.

Ich möchte mich verkriechen. Nicht nur an meinem Geburtstag, nein, auch heute. Meine Seele ist irgendwie aufgewühlt, unruhig. So viele Emotionen geben sich die Klinke in die Hand momentan. Und ich weiß nicht, wo ich hinspüren, hinschauen und hinhören soll. Einfach ignorieren?

Das habe ich jahrelang gemacht. Nun ist es an der Zeit das zu ändern. Ich möchte mich wahrnehmen und gut mit mir umgehen. Keine Selbstverletzung mehr. Kein Alkohol mehr. Keine Fressattacken mehr. Ehrlich und aufrichtig möchte ich zu mir selbst sein. Konsequent, kreativ und liebevoll. Streng, erziehend, sinnvoll. Sinnstiftend, nachhaltig und fröhlich.

Mein Leben ist traurig geworden. Ja, ich lache viel und mache Späße, doch irgendwie hat es seine Bedeutung verloren. Was macht mein Leben sinnvoll? Was macht meine Taten, Talente, Gedanken und Worte sinnvoll? Was bleibt, wenn ich gehe? Hinterlasse ich Spuren in dieser Welt?

Und was ist mit Gott? Hinterlässt er Spuren in mir? In meiner Welt?

Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Und oft frage ich mich, wozu ich die ganze Scheiße noch mitmachen soll. Die Therapie, das Aufarbeiten meiner Geschichte, Konflikte mit mir und anderen Menschen austragen, meine Unfähigkeit, den Alltag zu meisten auszuhalten. Ob nun jetzt oder in 60 Jahren – es macht für die Welt keinen großen Unterschied, ob ich da bin oder nicht. Ich habe nichts zu geben außer Chaos, Versagen und Nonsens.

Es war mein innigster Wunsch, für meinen Neffen da zu sein. Ihn zu beschützen und eine starke Schulter für ihn zu werden. Ich habe mir so sehr gewüscht, eine Vertrauensperson für ihn zu werden. Und auch für die nachfolgenden Nichten und Neffen. Doch nun? Nun habe ich nichts zu geben außer meine Abwesenheit. Mir ist klar, dass meine Nichten und Neffen ohne mich besser dran sind. Doch es zerreißt mir das Herz.

Nein, ich werde trotzdem nicht aufgeben. Ich werde weiter kämpfen und weiter gehen. Zwar sehe ich den Sinn noch nicht, aber Gott sagt in seinem Wort, dass alles einen Sinn bekommt. Darauf möchte ich vertrauen und möchte wieder näher zu Gott gehen.

Er allein ist derjenige, der den Gesamtüberblick hat und der jeden einzelnen Menschen auf dieser Erde kennt. Und er kannte auch die, die nicht mehr auf der Erde sind und die, die noch nicht auf der Erde sind. Jeden einzelnen Mensch hat Gott persönlich kreiert. Sich Gaben und Talente ausgedacht. Wesensmerkmale. Äußerlichkeiten. Sogar jedes Haar hat er einzeln gezählt.

Dieses Wissen ruft mir wieder ins Gedächtnis, warum ich wertvoll bin. Und warum jeder Mensch wertvoll ist: weil Gott sehr viel investiert hat. An Zeit, an Kreativität, an Hirnschmalz und vor allem an Freude und Liebe. Wir sind ein Teil von ihm. Ein Teil vom großen Ganzen.

Deshalb sind wir wertvoll.

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