Wenn die Wahrheit deine Welt zerstört

Schon lange ist es her, dass ich geschrieben habe. Es gab viel zu tun in der Therapie. Erinnerungen aus meiner Vergangenheit, die ich vergessen hatte, kam ans Licht. Grausame Erfahrungen, Erlebnisse und Situationen eröffneten sich. Manchmal weiß ich nicht, wie ich mit all dem umgehen soll. Es zerreißt mich schier innerlich.

Menschen, denen du vertraut hast. Menschen, die du eigentlich als Schutzengel an die Seite bekommen hast. Solche Menschen verraten dich. Zerstören deinen Selbstwert, deinen Glauben und deine Identität.

In meinem Herzen ist eine tiefe Trauer und ich sehne mich nach Trost. Doch ich finde ihn nicht. Wo ist dieser Gott, von dem ich immer behauptet habe, er sei MEIN Gott? Wo sind die Menschen, die versprochen haben, mich nie im Stich zu lassen? Wo bin ich?

Ich rolle mich zusammen auf meinem Fußboden. Im Bett kann ich nicht mehr liegen. Zu schwer die Erinnerungen und Gefühle, die hoch kommen.

Mir ist übel.

Was finden die Menschen nur so an Sex? Es ist eklig und an sich ein primitives Rein- Raus. Jahrelang hatte ich Sehnsucht nach Sex. Doch nun ekel ich mich davor und mir wird übel, wenn ich nur daran denke.

Zwei Männer haben mich an zwei aufeinander folgenden Tagen bedrängt. Fremde Männer. Der eine hat mich am Arm gepackt. Der andere klopfte auf meine Gitarre und fasste nach meiner Hand. Es hat mich beides gelähmt.
Strahle ich so eine Opfermentalität aus? Steht auf meiner Stirn „sprich mich an und überschreite meien Grenzen!“?

Wut packt mich.

Bis vor Kurzem kam ich nicht einmal an das Gefühl der Wut in mir drin dran. Es war unmöglich für andere, mich zu provozieren.

Doch dann hatte ich in der Ergotherapie eine Boxsession. Eine gute Bekannte und meine Therapeutin bearbeiteten mich so lange, bis ich den Boxsack kurz und klein gematscht hatte. Ich hatte so viel Wut rausgerschrieen, dass mein Hals weh tat.

Es tat gut.

Nun bin ich bereit, mich zu wehren. Wenn ich spazieren gehe und an Männergruppen vorbei muss, denke ich mir „wenn mich nur einer anspricht, schlag ich zu.“ Und ja, ich würde es machen.

Ich bin kein Opfer mehr. Ich bin kein kleines Mädchen mehr.

Ich bin eine Gewinnerin, eine Siegerin. Erwachsen und bewusst genug, um meine Grenzen klar und deutlich zu signalisieren und zu verteidigen. Ohne Rücksicht darauf zu nehmen, welchen Schaden der andere davon trägt.

Schaden? Nein, das ist kein Schaden. Es ist lediglich das, was er verdient.

Wer mich anpackt, setzt sich in die Nesseln – mit nacktem Hintern und roten Ameisen überall.

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