Gnade – wenn du nicht bekommst, was du verdienst Teil 2

Ich habe Mist gebaut. So richtig Mist.

Konto leer, Geldbeutel leer, Zigarettenschachtel leer. Und ich habe mal wieder Buchladendienst. Neben dem PC haben wir eine kleine Schatztruhe stehen für Spenden oder Trinkgeld. Als ich am Abend die Kasse zähle, zähle ich auch das Spendenkässchen. 13€ sind drin. Wow, das ist viel.

Langsam schleicht sich in mir der Gedanke ein, dass ich ja ein bisschen was davon abzweigen könnte. Für Zigaretten.

Ich zähle also die Truhe und mache Münzenhäufchen. Viel Kleinkram dabei, doch das große Geld, die 2€ und 1€ Münzen, die ergeben 8€.
Während ich so am Zählen bin, kommt der Kollege zur Tür rein. Schnell tue ich geschäftig.

Er hat nichts bemerkt, puh.

Schnell stecke ich die 8€ in meine Hosentasche und mache geschäftig weiter.

Als ich nach Feierabend dann zur Bushaltestelle laufe fühle ich in mir ein starkes Gefühl. Eine Mischung aus Trotz, Stolz, Scham und schlechtem Gewissen.

Einige Tage halte ich das Gefühl aus, wobei die Scham immer größer wird.

In den Gebetszeiten, am Lobpreisabend, bei meinen Ladendiensten, in Gesprächen – überall heuchel ich herum und tue wie eine fromme, gesalbte Christin. Doch dieser Diebstahl zerfrisst mein Herz von innen.

Schon als ich gestohlen habe, wusste ich, dass ich diesen Diebstahl irgendwann zugeben muss. Farbe bekennen muss. Und so war es auch gestern.

Susanne (die Vereinsvorsitzende vom Buchladen) war gestern zum Gebet bei uns zuhause. Nach dem Gebet – an dem ich nicht teilgenommen habe – rief sie mich zu sich und drückte mir 10€ in die Hand mit den Worten „Für die Osteraktion im Laden.“ (zur Info: wir wollen eine Osteraktion mit Kuchen und Pralinen im Laden anbieten und ich bin dafür zuständig).
Und als ich das Geld in den Händen hielt, brannte es wie Feuer.

Ich musste es sagen.

Ich sagte es.

Eigentlich rechnete ich damit, die Arbeit im Buchladen nicht weiter machen zu können. Ich sehnte mich nach Strafe, Gebrüll und harten Konsequenzen. Ich sehnte mich nach Schläge. Einer Ohrfeige.

Doch stattdessen.
Bezahlte Susanne meine Schulden und legte noch 2€ drauf.

Keine Anklage. Keine Schimpfe. Ja, strenge Worte und Ermahnung. Aber in Vergebung getränkt.

Das hatte ich nicht erwartet.
Das ist Gnade.
Das ist, wenn man nicht bekommt, was man verdient.

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