Gott und so…

Heute schreibe ich mal wieder nach einer viel zu langen Pause. In der Zwischenzeit bin ich mal wieder umgezogen und gewöhne mich nach und nach in meiner neuen Umgebung ein. Besonders freut es mich, dass in der neuen WG eine Katze wohnt. Amy ist ihr Name. Sie tut mir sehr gut und hilft mir, nachts zu schlafen. Ich fühle mich beschützt und geborgen, wenn sie abends in mein Zimmer kommt und sich am Fußende in yogagleiche Verrenkungen begibt, während sie schläft.

Die Zeiten mit meinen beiden Mitbewohnern – eine Ehepaar – sind sehr wertvoll. Sie helfen mir indem sie offen über Dinge sprechen, die sie lernen mussten. Beispielsweise den guten Umgang mit Geld. Nun unterstützen sie mich dabei, einen ebenfalls guten Umgang mit Geld zu erlernen und beizubehalten.
Ich weiß, dass ich bei ihnen bedingungslos ehrlich sein kann. Das tut mir gut.

Es ist schön, gemeinsam in der Bibel zu lesen, Lobpreis zu machen und zu essen. Die beiden sind so normal. So bodenständig und auch weise. Und sie sagen mir auch, wenn ich mal wieder meine fünf Minuten habe. Wir lernen voneinander.

In den letzten Wochen beschäftigt es mir sehr, wer Gott eigentlich ist. Brauch ich ihn überhaupt? Braucht er mich überhaupt? Wie tickt er? Was weiß er? Was denkt er? Was fühlt er? Was ist sein Lieblingsessen und seine Lieblingsmusik?
Hört er mir gerne zu, wenn ich Klavier spiele oder die Gitarre auspacke? Freut er sich, wenn ich zur Ukulele oder dem Cajon greife? Oder stopft er sich schnell Wolkenfetzen in die Ohren?

Was mich auch sehr beschäftigt ist, was Gott wohl in den Momenten meines Lebens gemacht hat, als ich in großer Not war. Was hat er empfunden? Gedacht? Gesagt?
Als er uns Menschen erschaffen hat, hatte er da auch den tiefen Schmerz präsent, den wir Menschen uns gegenseitig zufügen? Fühlte er die Einsamkeit eines Alkoholikers, der alles verloren hat? Erlebte er die panische Angst eines Jungen, der von seinem Onkel wieder und wieder vergewaltigt wird? Spürte er den Ekel des Mädchens, das nachts von ihrem Vater zum Sex gezwungen wird? Empfand er die Fassungslosigkeit der Familie, die im Krieg ihre Kinder verlor?

Wenn ja: warum nahm er das alles in Kauf und schuf uns dennoch? War es zu spät um das Projekt Schöpfung abzubrechen? Später setzte er die Erde mit der Sintflut ja doch auf Neuanfang zurück.

Wenn nein: konnte er sich das alles nicht ausmalen? Dachte er nicht so weit? Hatte er die rosarote Brille auf und konnte nur die für ihn freudigen Momente sehen?

Tja, es wird wohl keine Antwort geben für mich. Viele Christen versuchen solche Fragen tot zu schweigen. Doch deswegen sind sie noch lange nicht tot. Ich glaube, ich sollte mich diesen Gedanken stellen und Gott ein Loch in den Bauch fragen.

Vielleicht ist er ja – trotz allem – der gute Gott, der die Menschen liebt.

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