Ob Gott mich wohl liebt?

Heute Abend sitz ich da und denke darüber nach, ob Gott mich wohl lieb hat. Nein, mehr noch: ob Gott mich wohl liebt.
Wenn ich in mich hinein spüre, merke ich, wie diese Frage mich schon seit Jahren zerfrisst.

Selbstzweifel kommen ans Tageslicht.
Ja, ich habe auch Stärken und Gaben und Talente. Ich habe ein großes Wissen in meinem Kopf. Doch mein Wesen? Meine Schwächen? Meine dunklen Seiten?

Ist es nicht zu einfach die unschöne, unfromme, hässliche Ines mit einem „Gott liebt dich“ wegzuwischen? Oft denke ich mir, dass in frommen Kreisen der Mut fehlt, auch die unschönen Seiten des Seins anzuschauen.

Ein einfaches „Gott liebt dich“ ist zwar nett zu hören, doch es bleibt klanglos, wenn es nichts ändert.

Neulich sagte ich zu jemandem „ich bin völlig undiszipliniert und faul“ worauf hin die Dame zu mir sagte „ach was, das glaub ich nicht. Außerdem: Gott liebt dich.“. Fehlt es da nicht an einem Anstoß? Einer Motivation?
Wenn wir Menschen und damit zufrieden geben würden, von Gott geliebt zu sein, dann würden wir in unserem eigenen Dreck versinken, weil niemand mehr einen Grund sieht an sich zu arbeiten.

Wie auch immer.

Ich stelle mir die Frage, ob Gott mich liebt. Kann er mich lieben? Würde er mich dann auch für immer lieben? Weshalb sollte er mich lieben? Was bedeutet lieben überhaupt? Ist LIEBE nicht bloß ein simples Akronym für Leider Immer Eine Bittere Enttäuschung?

Die Gedanken drehen ihre Kreise in meinem Kopf. In meinem Herz.

Nein, ich bin nicht liebenswert. Egoistisch, unansehnlich, töricht, undiszipliniert, inkonsequent und faul. Kann man so etwas lieben? Ist so etwas überhaupt wert, geliebt zu werden?

Wieder ein Nein.

Es macht mich traurig.

Was kann ich ändern, um liebenswert zu werden?
Ich weiß es nicht so genau. Abnehmen wär ne gute Idee. Und weise werden. Und ja doch… mir fallen einige Dinge ein.

Mein Herz erschrickt. Muss ich so lange warten, bis ich liebenswert bin? Wird dieses Loch in meinem Herzen auch irgendwann einmal kleiner? Sogar geschlossen?

Ich wünsche es mir. Von Herzen.

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6 Gedanken zu “Ob Gott mich wohl liebt?

  1. Mara 29. Oktober 2016 / 10:45

    Vielleicht kann man so richtig erst an Gottes Liebe glauben, wenn man gelernt hat sich selbst zu lieben? Wenn man die unfrommen, hässlichen und unschönen Seiten des eigenen Seins als zu einem gehörend nicht nur akzeptiert sondern lieben gelernt hat ? Ich bin mir nicht sicher, aber oft kommt bei mir so ein schnell dahin gesagtes „Gott liebt dich“ oder „du bist unermesslich geliebt“ oder „du ist wertvoll“ – wie ein vielleicht gutgemeinter, aber eher nicht wirklich interessierter Trost vor. Statt demjenigen, der über seine Probleme reden möchte, zuzuhören, sich auf ein wirkliches Gespräch einzulassen, ist ein schnelles „Ach was, Gott liebt dich, das ist das wichtigste“ eben schon bequemer und zeitsparender. Ich spreche aus Erfahrung. Ich sage jetzt nicht „Gott liebt dich“, aber ich sage, weißt du was, ich kenne dich zwar nur virtuell, aber ich habe in den Jahren, in denen wir uns virtuell kennen, einiges über dich erfahren. Du hast Stärken und Schwächen, wie jeder Mensch. Vielleicht schaffst du es, deine Aufmerksamkeit mal mehr auf deine starken Seiten zu lenken. Das hilft, die schwachen auch anzunehmen. (Den letzten Satz sage ich gerade zu mir selbst) Ich schicke dir ganz liebe Grüße.

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    • Ines 29. Oktober 2016 / 17:49

      Liebe Mara! Vielen Dank für deine mutmachenden Worte!

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    • Ines 29. Oktober 2016 / 17:50

      Danke Manuel 🙂 Ein wunderschönes Lied! Danke ❤

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  2. schirm91 18. Oktober 2016 / 14:49

    .. also, ich habe meinen Blogbeitrag geschrieben, bevor ich deinen gelesen hatte 😉

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