Die Ninjaschnecken und mein Herz

Neulich ging ich eine Abkürzung durch den Wald, um in die nächste Ortschaft zu kommen. Dieser Waldpfad, der eigentlich kein offizieller Weg ist, ist wunderschön. Immer wieder schreitet man durch Torbögen, die von Ästen und Zweigen gebildet werden und man kommt sich ein bisschen vor wie Alice im Wunderland.

Das Gras war feucht, doch die Sonne schien in voller Kraft. Ich entdeckte Pilze, Baumstümpfe, Brombeersträucher.

In mir drin tobte ein Sturm. Die Therapiestunde bei Frau B.- B. hatte mich aufgewühlt und viele Gedanken flogen in Fetzen an mir vorbei. Werde ich je gesund werden? Werde ich je glücklich sein? Glücklich sein können? Werde ich je einen Partner an meiner Seite haben? Werde ich jemals irgendwann einfach leben können?

Ich zweifelte daran. Verzweifelte fast daran.

In Gedanken versunken war mein Blick auf den Boden geheftet. Als ich plötzlich auf ein seltsames Gebilde im Gras aufmerksam wurde. Schwarz war es und es schien, als ob es aus vielen kleinen Teilen bestünde. Ich konnte es nicht zuordnen und blieb ein kleines Weilchen stehen um dieses seltsame Ding zu betrachten.

Hm… nach einigen Minuten bewegte sich der schwarze Klumpen und so langsam kam Verstehen in meine eingerosteten Hirnwindungen. Es war ein Schneckenberg. Viele kleine schwarze Schneckchen hatten sich zu einem glitschigen, klebrigen Berg zusammengetan.

Darüber nachsinnend, weshalb die Schnecken das taten, trabte ich weiter. Keine Ahnung, welches Schauspiel sich ereignete. Jedenfalls waren die Minischnecken gut getarnt. Es waren quasi Ninjaschnecken.

Unwillkürlich musste ich wieder an mein Herz denken. Ob es wohl auch ab und an eine Ninjaschnecke ist?

Ja. Denke ich.

Auf den ersten Blick sieht mein Herz fröhlich aus. Glücklich mit einer tollen Herkunftsfamilie, einem Job, einer klasse WG, einem liebenden und großartigen Gott. Und ja, dies sind alles Dinge, die mein Herz mit Freude füllen und die auch zu meinem Herz dazu gehören.

Doch wenn ich genauer hinsehe… da sind abgesplitterte Kanten. Risse. Verletzungen. Ängste. Unsicherheiten. Depressionen. Süchte. Zweifel.
Dies alles… scheint mir momentan so übermächtig, dass sich mein Herz schwarz und traurig anfühlt.

Was stelle ich nun mit diesem Gefühl an?

Ich weiß es nicht. Aushalten? Nein. schlechte Alternative.
Ich glaube, ich möchte es malen. Vor Augen haben. Und dann weiter daran arbeiten, um irgendwann einmal ein Herz mit Rissen und abgesplitterten Kanten zu haben, das lacht, fröhlich und dankbar ist und genau weiß: jeder Riss, jede Kante gehört zu mir. So wie jedes Glück, jeder Sonnenstrahl.

Es ist mein individuelles, einzigartiges Herz.

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