Familie

Ich lese ein Buch, das gespickt ist mit unnützem Wissen. Erfahre, dass der Mondfisch eine 15cm dicke Haut hat und die meisten Serienmörder im November geboren werden.

Meine jüngere Schwester und ihr Mann sind ebenfalls im November geboren. Als kleinen Scherz fotografiere ich die Textpassage ab und schicke sie per WhatsApp an meine Familie. Doch keiner versteht den Spaß.

Es ist mir schon öfter so gegangen und ich frage mich, weshalb meine Familie auf Späße meinerseits (und irgendwie auch auf alle anderen Nachrichten von mir) so verhalten reagiert. Bin ich so eine große Belastung für meine Familie? Hat die Depression und mein oft anderes Verhalten so einen Graben zwischen meine Familie gerissen?

Oder denken sie, ich dürfte nicht lachen oder einen Witz machen, weil ich depressiv und in Therapie bin?

Ich weiß es nicht.

In mir steigt wieder der Gedanke auf, mich aus meiner Familie zurück zu ziehen. Ihnen ein glückliches Leben zu lassen, in dem sie sich keine Sorgen um mich machen müssen. Ein Leben, das sie leben können, ohne, dass ich sie mit meinem „anderen“ Verhalten in ein Samthandschuhdasein zwänge.

Sie haben mir immer wieder gesagt, ich solle sein, wie ich bin und mich nicht verstellen. Ja. Eine Aufgabenstellung, die ich versuche umzusetzen. Doch leider stößt das auf die Meinung, dass ich ihnen etwas vorspiele. Nicht echt und ehrlich bin.

Es stellt sich mir die Frage, wie meine Familie denkt, dass ich sei.

Ich möchte ein Teil der Familie sein. Und zwar kein belastender Teil. Kein Geschwür am Arsch der Welt. Und kein Rotzpopel im makellosen Gesicht der Familie.

Ich bin ratlos. Ja, meine Familie wäre ohne mich besser dran. Zweifellos.
Doch ich liebe sie. Sehr sogar.

Und ich weiß auch, dass meine Familie mich liebt. Ich bin ihnen nicht egal. Und sie möchten eigentlich nur eine glückliche Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante haben. Mein Herz wird schwer. Ich möchte, dass meine Familie glücklich ist.

Doch wie wird es uns gelingen, glücklich zu sein? Wie schaffen wir es, zusammen zu wachsen, ohne die ständige Angst in uns zu tragen, den anderen zu verletzen? Oder ohne dem anderen das Gefühl zu geben, unerwünscht zu sein?

Ich habe keine Ahnung. Keine Idee. Keine Lösung.

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