Wer sich verläuft sieht mehr von der Welt…

Voller Motivation bin ich heute um 7 Uhr aufgestanden, um dieses Mal WIRKLICH bei meinem Hausarzt aufzulaufen. Außerdem warteten noch Einkauf, ein Termin mit pour vie e.V. und ein Zahnarzttermin auf mich.

Hurra schreit mein müdes Hirn als der Wecker klingelt.

Ich rechne ein bisschen zusammen, wie viel Geld ich brauche für die Busfahrten. Und nachdem ich errechnete, dass es zu viel ist, beschloss ich zum Arzt zu laufen. Da das nur ca. 3 km sind, also eine halbe Stunde zu Fuß, beschließe ich zu laufen.

Schnell ergoogle ich mir noch zuhause am Laptop den Weg und versuche ihn mir ins noch müde Hirn einzuspeichern. Also Tasche packen, Pfandflaschen in den Rucksack stopfen, was brauch ich noch?, ach ja, Geldbeutel wäre nicht schlecht. Schuhe an.

Los geht’s!

Motiviert und voller Tatendrang stiefel ich also los in Richtung Feldweg, den ich ja im Kopf eingespeichert hatte, dann gleich rechts und wieder links und.. oh… oder doch rechts? Hätte ich den anderen Feldweg nehmen müssen? Ja aber da sind doch die Schrebergärten die ich mir eingeprägt hatte. Oh, auf der anderen Seite sind ja auch welche. Mist!

Etwas orientierungslos stehe ich da in der Gegend rum. Wie ein Ochse vor der Apotheke – wie meine Tante immer so schön sagt. Als modernes Mädchen fummel ich mir mein Handy aus der Hosentasche und starte google maps navigation. Nachdem ich fünf Mal die Zieladresse eingegeben habe und GPS mich auch findet, stapf ich tapfer weiter. Und weiter… und weiter… plötzlich stehe ich am Straßenende. Rechts ein Feld. Links ein Feld. Vor mir ein Feld.

Verwirrt starre ich auf mein Zartphone (man streichelt sein Handy ja heute immerzu…). google navigation sagt rechtsrum. Na gut denke ich. Dann gehe ich rechtsrum. Nach zwei oder drei Metern sehe ich, dass sich ein Traktorweg abzeichnet. Ich sprinte hin und laufe nun weiter den Weg, den das Navi mir sagt.

Im guten Glauben an die moderne google- Technik sehe ich den Wald vor mir und denke, dass ein Weg am Waldrand entlang führt. Doch schnell stelle ich fest: falsch geglaubt.

Tja. Nun stehe ich da. Ein bisschen genervt. Ein bisschen bockig. Ein bisschen gestresst und mit ein bisschen sehr nassen Füßen, weil die Turnschuhe natürlich nicht wasserdicht sind.

Was nun? Umdrehen? Nein, da gehts den Berg hoch. Das ist mir zu anstrengend. Definitiv. Also mutig die Flucht nach vorne.

In Gedanken pack ich die Machete aus und schlage mich durch Brombeertentakel und Brennesselfangarme. In der Realität trampel ich alles platt und gehe die ersten Schritte in den Wald hinein. Es ist schön hier, stelle ich fest. Die Regentropfen plätschern auf die Blätter. Nüsse fallen zu Boden. Ich stehe knöcheltief im Laub.

Und da stehe ich. Schaue den steilen Abhang hinunter. DA soll ICH runter??? Schnell überlege ich, ob man mich hier im Wald orten kann. Falls ich stürze oder mich eine Wildsau über den Haufen rennt. Da google mich findet, wird mich wohl auch die Polizei finden, denke ich und marschiere los. Mein Handy bimmelt. Oh! Ergo! Meine Ergotherapeutin ist dran und fragt mich, ob ich spontan zu einem Termin kommen will. Ich willige ein. Und teile ihr mit, dass ich mich verlaufen habe, in der Hoffnung, dass sie die nächste Hundestaffel animiert, mich zu suchen. Nichts dergleichen. „Ei gut, dann merke ich Sie da vor. Bis später.“

Da stehe ich nun wieder alleine. Ein Männlein steht im Walde… und ich marschiere wieder los. Über umgestürzte Bäume, auf denen Pilze wachsen. Durch Farnwedel hindurch, die dunkelgrün schimmern. Vorbei an Erdhügeln, in denen bestimmt ein Tier wohnt. Und plötzlich höre ich ein Rascheln. Lautes Rascheln.

Mein Puls ist auf 180. Panisch guck ich mich um. Hektisch suche ich den Boden nach lebensgefährlichen Tieren ab – und entdecke sie auch. Eine Waldmaus flitzt an mir vorbei. Erschrocken mach ich einen Satz zur Seite. So ne Waldmaus ist ja bärenstark und wild wie ne Horde Elefanten. Da muss man vorsichtig sein.

Nachdem mein Herz wieder Luft bekommt, slide ich weiter den Erdabhang hinunter. Es fühlt sich an wie übers Eis schlittern. Schön.

Ich halte an, um mich zu orientieren. Betrachte meine Umgebung. Viele verschiedene Farbtöne von grün und braun blitzen auf. Wie wunderbar und vielfältig unsere Schöpfung doch ist.

Mein Herz wird weich. Und dankbar. Dankbar gegenüber dem, der diese Welt gemacht hat. Gott. Dieser kreative, einfallsreiche, schöpferische, schelmische, humorvolle Gott.

Und dann denke ich: ja, wer sich verläuft sieht MEHR von der Welt.

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4 Gedanken zu “Wer sich verläuft sieht mehr von der Welt…

  1. Losti 17. September 2016 / 19:10

    Hast den Weg denn noch gefunden?

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  2. schirm91 17. September 2016 / 18:43

    Vielleicht klappt’s ja doch noch mit nem‘ Buch 🙂 be blessed Lighty

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