Enttäuscht von Gott

Ich habe schon lange nicht mehr geschrieben, fällt mir auf, als ich mich hier einlogge. 11 Tage ist der letzte Beitrag her.

Es ist viel passiert in diesen 11 Tagen. Ich muss mich mit vielem auseinandersetzen, was mir gerade so gar nicht in den Kram passt.
Zwei Freunde sind gestorben, erfahre ich vergangenen Freitag. Wieso sterben gerade alle? Menschen inmitten ihres Lebens. Mit Kindern, Partnern, Familie.

Es tut wieder einmal weh. Beide Freunde waren krank.

Peter ist schon vor einem Jahr gestorben, doch wegen fehlendem Kontakt habe ich es erst Freitag erfahren. Sein Tod schmerzt mich am meisten. In meiner Studien- und Nachstudienzeit war er mir ein Vorbild – im Leben und im Glauben. Sein Leben beeindruckt mich. Kurze Zeit bevor er sein Leben Gott gibt, erkrankt er an einem Gehirntumor. Und all die Zeit, die wir uns kennen ist sein einziges Streben, Jesus ähnlicher zu werden – oder wie er es einmal ausdrückte: ich muss abnehmen und Jesus in mir muss zunehmen.
Seine Frau erzählt mir am Telefon, wie Peter in dem letzten halben Jahr auf dieser Welt Jesu Liebe ausstrahlte. Er konnte nicht mehr sprechen, war sonst wohl auch eingeschränkt. Doch er strahlte Jesu Liebe aus.

Peter hatte keine Angst davor, vorzeitig abberufen zu werden. Er war bereit, alles loszulassen.
Ich freue mich für ihn, dass er nun bei seiner größten Liebe ist. Bei Gott. Und manchmal stelle ich mir vor, wie er so seinen Spaß hat im Himmel. Vielleicht fährt er  mit Petrus Wasserski oder spielt mir Mose Reise nach Jerusalem oder Siedler. Oder er backt mit Eva Obstkuchen, während die anderen Männer mit Adam Schlange stehen.

Jedenfalls geht es ihm gut. Ohne Leid, ohne Not, ohne die Lasten dieser Welt.

Seine Frau erzählte mir, dass es keine Trauerfeier gab, sondern eine Auferstehungsfeier. Eine gemeinsame Freundin berichtete mir, dass diese Feier ein Fest war.

Ja. Das passt zu Peter. Er kannte schwierige Zeiten im Leben. Und dennoch war sein Herz immer danach bestrebt, Gott zu suchen und anzubeten.

Peter wird mir wieder neu zum Vorbild. Ja, ich weine, während ich diese Zeilen schreibe. Ich hätte gerne noch Dinge „aufgeräumt“, die zwischen uns standen. Und ich weine, weil ich ihn einfach trotz allem sehr lieb habe und mir nun bewusst wird, wie sehr ich ihn die ganze Zeit, in der wir kaum oder keinen Kontakt hatten, wie sehr ich ihn da vermisst habe.

Freude und Trauer. Sie mischen sich in meinem Herzen. Es bringt mein Herz durcheinander irgendwie. Da ist auch das Gefühl, von Gott enttäuscht zu sein.

In der Therapie werden Situationen beleuchtet, die ich früher nicht wahrgenommen habe. Situationen, die sehr schmerzlich sind und sich nun, wenn ich sie ansehe, bedrohlich anfühlen. Situationen, in denen ich Gott nicht sehe, spüre oder erlebe.

Ich bin enttäuscht. Von Gott.

Auch dieses Gefühl darf ich so zwischen Gott und mir stehen lassen. Er kann das aushalten.

Ob er schuld, verantwortlich oder sonst was ist für das Leid der Welt, das Leid von Peters Welt und auch das Leid meiner kleinen Welt – nein, das glaube ich nicht. Dennoch muss ich meine Gedanken und Gefühle nicht sofort unterbuttern. Ich darf ihnen nachspüren, Raum geben und sie mit Gott ausdiskutieren.

Ich wünsche uns, dass wir Gefühle, die wir negativ belegt haben, auch stehen lassen können, zwischen Gott und uns. Bis es mit ihm geklärt ist.

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2 Gedanken zu “Enttäuscht von Gott

  1. Zita 14. September 2016 / 20:07

    Hi Ines
    Dein Blog ist echt schön… Ich kann so vieles nachvollziehen,kenn es zu gut…

    Bin immer für dich da

    Zita

    Gefällt mir

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