Fachtagung: Die Loverboy- Methode

Herzliche Einladung zur Fachtagung im April 2018

Selbsthilfeforum Schattentheater

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Die größte aller Aufgaben

Jeder Mensch, insbesondere jede Frau, kennt das Auf und Ab der Gefühle. Hin und Her der Gedanken. Vor und Zurück des Wollens und Vollbringens.

Auch ich erlebe diese Tage die ganze Dimension des Gefühlskarussells. Auf und ab, hin und her, vor und zurück.

Eigentlich geht es mir doch gut. Wieso nur spüre ich so einen emotionalen Shitstorm in mir? Übertragen andere Menschen um mich herum ihre Wut und ihre Agression auf mich oder ist sie in mir drin? Wie gehe ich damit um?

Es gibt vieles, für das ich momentan dankbar sein kann. Ein gutes und schönes Zuhause, ein Vorwärtskommen in der Therapie, Gebrauchtwerden im Buchladen, die Katze zuhause, ein Vorstellungsgespräch für eine Stelle, die mich sehr sehr sehr interessiert, Sonnenschein, Kaffee, und so weiter.

Doch in mir spüre ich, dass irgend etwas nicht stimmt.

Meine Familiensituation beschäftigt mich. Meine Mutter hatte vor ein paar Tagen Geburtstag. In wenigen Tagen hat meine Nichte ihren ersten Geburtstag. Ich vermisse meinen Neffen Paul.

Es fühlt sich wie Versagen an, dass ich keinen Kontakt mehr zu Paul habe. Ich wollte immer eine Tante sein, die für ihn da ist. Die ihn erleben und spüren lässt, dass er bedingungslos geliebt ist. Ich wollte eine Tante sein, zu der er Vertrauen hat und auf die er sich verlassen kann und zu der er immer kommen kann.

Und nun? Wenn ich reflektiere, dann sehe ich, dass nichts von all dem eingetreten ist. Es macht mich traurig. Tränen kullern mir über die Wange. Und unweigerlich frage ich mich, ob ich etwas in ihm kaputt gemacht habe, indem ich einfach weggegangen bin. Aber im Gegensatz weiß ich auch, dass meine Abwesenheit ihn wahrscheinlich besser schützt wie mein Dasein.

Mein Gebet ist, dass er in dem tiefen Vertrauen und der Gewissheit aufwachsen darf, geliebt und wertvoll zu sein – egal was seine Eltern, seine Großeltern, seine Geschwister, seine Cousinen und Cousins und seine Tanten und Onkel tun oder lassen oder sagen oder nicht sagen. Ich bete für ihn – mehr kann ich momentan nicht tun.

Und doch scheint es mir so viel mehr zu sein, als wenn ich bei ihm wäre.

Diese Großzügigkeit Gottes, Menschen in seinen Segen zu hüllen – wie groß ist es, dass es nicht von meiner Nähe oder Distanz zu meinem Neffen abhängig ist. Ich weiß, dass Gott bei Paul ist.

Diese doch irgendwie überraschende Erkenntnis macht mein Herz ein wenig ruhiger und ich freue mich, dass ich zu der wichtigsten Sache in Pauls Leben beitragen kann: Gottes Wege zu gehen und Gottes Liebe und Geborgenheit zu erfahren.

Welche Aufgabe könnte wichtiger und größer sein, als seine Geliebten und Ungeliebten vor den Thron Gottes zu bringen?

Im Gottesdienst gestern ging es u.a. darum, füreinander im Gebet einzustehen. Sich gegenseitig vor Gottes Thron zu bringen. Und gerade in schwierigen Zeiten zusammen zu rücken und gemeinsam im Gebet und durch Gebet das Leben zu durchkämpfen.

Ich denke darüber nach, wieso ich so mundfaul gegenüber Gott bin? Wieso ist es so schwer für mich, mich mit ihm zu unterhalten. Laut. Nicht nur in Gedanken.
Nun, es hängt damit zusammen, dass ich irgendwann gelernt habe, nicht mehr laut meine Gedanken zu äußern. Insbesondere meinem Stiefvater oder Männern gegenüber. Ich lerne in Gedanken zu formulieren und zu sagen, was richtig ist. Das habe ich dann ausgeweitet auf meine Mutter, meine Geschwister, meine gesamte Familie. Und auch auf Gott.
Aus Angst, die andere Meinung zu hören.

Im Kopf ist mir klar, dass ich bei Gott keine Angst haben brauche. Ich weiß ja, dass er es besser weiß. Doch darum geht es nicht. Bei Gott darf ich sagen was ich denke – und wenn ich es mit ehrlichem Herzen tu und nicht nur fromme Floskeln und Phrasen schwing, dann entsteht ein Dialog, in dem Gott mich ernst nimmt.

In der Bibel gibt es immer wieder Situationen der Israeliten, in denen sie vor einem Krieg mit einem anderen Volk stehen. Ab und an sagt Gott „kämpft nicht! Die Lobpreiser, die Musik mir zur Ehren machen, sollen vor dem Heer dem Feind entgegen gehen.“ Und in jeder einzelnen Situation siegten die Israeliten über das andere Volk.

Für die Musiker war das sicherlich kein angenehmes Gefühl, ohne militärischen Schutz einem Feind entgegen zu ziehen, das dem eigenen Volk zahlen- und kräftemäßig bei weitem überlegen war. Doch nur dadurch, dass sie Vertrauen zu Gott lebten, an die Front gingen und Musik zu Gottes Ehre machten, erlebte das ganze Volk Israel einen Sieg.

Ich bin Musikerin. Lobpreiserin mit jeder Faser meines Herzens. Und ich möchte mich darauf einlassen, in den Kampf zu ziehen gegen die Feinde meiner Mitmenschen. Feinde wie Krankheit, Einsamkeit, finanzielle Not, Neid, Eifersucht, Hass, andere Menschen, irgendwelches Leid.

Mit Jesu Blut auf meiner Flagge gehe ich mit neuem Mut und neuem Bewusstsein in den Kampf.

Wie ein falsches Bild unser Leben beeinflussen kann

Vor zwei Wochen verletzte ich mich am Ellbogen beim Boxen. Nachdem meine Hausärztin mich zu weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus geschickt hatte, wurde mir dort eine Gipsschiene verpasst. Diagnose: Bruch des Radiusköpfchens und Verletzung von mindestens einem Band.

Bumm.

Als Musikerin konnte ich mir was prickelnderes vorstellen, als ne olle Schiene zu tragen.

Nun war ich gestern zum Verbandswechsel bei meiner Ärztin. Ich händigte ihr das Röntgenbild aus und beobachtete, wie ihr das Gesicht aus dem Gesicht glitt. Fassungslos starrte sie das Bild und dann mich an und fragte „Ist das das richtige Bild?“. Ich bejahte und fragte, was los sei. Etwas, das meine sonst so ausgeglichene Hausärztin aus der Ruhe brachte, machte mich unruhig.

Sie seufzte tief und sagte „Das ist nicht Ihr Arm. Es ist weder ein rechter Arm zu sehen, noch kann ich mich nicht daran erinnern, dass Sie Helmut heißen.“

Öhm. Da war sogar ich sprachlos. Zwei Wochen umsonst die Schiene getragen.

Bei dem angeforderten und prompt gelieferten richtigen Röntgenbild war nichts zu sehen. Keine Fraktur, keine Verrenkung, keine Auskugelung.
Heute muss ich allerdings nochmal zum MRT, um die Bänder checken zu lassen.

Der ganze Vorfall stimmt mich nachdenklich. Ich bin Gott dankbar, dass ich keinen Schaden davon getragen habe. Doch frage ich mich, wie es wohl Helmut ergangen ist. Wurde er richtig behandelt? Hat er Nachteile erlitten? Es beschäftigt mich.

Mein Wahlonkel Klaus sagte „sei froh, dass sie dir kein Bein amputiert haben.“ Ich muss lachen. Ja, besser arm dran wie Bein ab.
Ärzte sind eben auch nur Menschen. Ich nehm es mit Humor.

Doch ich denke darüber nach, wie uns ein falsches Bild von einer Person, von uns, von einer Situation, von was auch immer, beeinflusst.
In den zwei Wochen mit Schiene war ich doch eingeschränkt. Nicht unbedingt im alltäglichen Leben. Schreiben, duschen, Zähneputzen, kochen, Ladendienst – das schaffte ich alles mit links 😉  Doch im Inneren beschränkte es mich. Ich konnte keine Musik machen, keinen Sport, keine Holzarbeit, kein Handwerk – all diese Dinge, die mir Luft zum Atmen verschaffen. Dafür hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Zum Beispiel über die Frage, warum es in der Natur keinen Kubismus gibt, warum es so gut wie keinen Herz- Krebs gibt und ob es ein Instrument gibt, das man mit einer Hand spielen kann.
Aber auch über alltagsrelevante Themen. Beispielsweise was einem Menschen Wert gibt, was einem Menschen Wert nimmt, ob es so etwas wie eine Daseinsberechtigung gibt und wie ich Nächstenliebe innerhalb meiner Grenzen und Möglichkeiten leben kann und ausweiten.

Nunja, ich war nun nur durch ein falschen Röntgenbild eingeschränkt. Doch wie oft schränke ich mich selbst ein, indem ich ein falsches Bild von mir oder anderen oder einer Situation habe? Warum passe ich das Bild über andere, immer meinen bekannten und schon da gewesenen Parameter an?

Natürlich ist das nicht schlecht, wenn wir schon Parameter haben. Das sind erlernte und hilfreiche Äquivalente, die uns auch schützen können. Aber manchmal müssen wir unser Äquivalentensortiment überprüfen. Vor allem dann, wenn wir stecken bleiben oder wir merken, dass wir dabei zu Grunde gehen oder uns aufreiben.

Ich möchte dich einladen und herausfordern, in den nächsten Tagen deine Einschätzungen über andere und dich selbst zu beobachten und zu revedieren.

News

Es ist Montag morgen. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und draußen ist es A***kalt. Doch in mir ist eine genießerische Ruhe entstanden.

Ich sitze in der Küche und es scheint nur eines zu geben: Gott und mich.

Nein, mein Leben ist nicht plötzlich ruhig und ausgeglichen und es gibt keine Glitzerstaubwölkchenmomente. Aber diesen Moment mit Gott heute morgen, den gibt es. Statt Glitzer streu ich Kaffee drauf.

Als ich so nachdenke, wie die letzten Wochen waren, frag ich mich unweigerlich auch, wieso das mit Gott und mir so ein Hin und Her ist. Ein Auf und Ab. Liegt es an meinem Verhaltensmuster à la hug & hate? Oder ist es normal? Wie (er-) leben das andere Christen, die sich ehrlich hinterfragen?

Ich bin generell ein Mensch, der beziehungstechnisch sehr antriebsarm ist. Ja, ich habe Freunde, aber wir hocken nicht ständig aufeinander. Ich kann ganz gut alleine sein. Und ich liebe es, auch mal einen Sonntag mich nur ins Bett zu legen, die Decke anstarren und ein Hörbuch zu hören. Herrlich.

Tja, also das ist so eine Frage die mich grad beschäftigt.

Ansonsten ist einiges passiert. Ich wurde zweimal Ersatztante. Werde bald wieder Großcousine. Oh und was ganz Witziges war noch:

Vor drei Wochen im Gottesdienst war unsere Lobpreisleiterin alleine. Da hör ich von Gott „spiel heute mit.“ Äh… ich? Aber ich hab noch nie mitgespielt… Trotzdem hab ich Sarizia gefragt und die hat sich gefreut. Also hockte ich mich aufs Cajon und trommelte mit. Das war echt klasse und ich hab gespürt, wie sehr ich das gemeinsame Musizieren und dabei andere in Gottes Gegenwart führen, vermisst habe.

Das Ergebnis war, dass ich nun offiziell in der Lobpreisband mitspielen darf.

Blöderweise habe ich mir einen Tag danach den Ellbogen gebrochen mit Bänderschaden… Nun muss ich drei Wochen warten…

Was meinen therapeutischen Prozess angeht, gehe ich weiter voran. Die Lage hat sich etwas beruhigt und ich hab an innerer Sicherheit gewonnen. Trotzdem ist das Thema Manipulation noch nicht vom Tisch. Doch wir – meine Therapeutin und ich – konnten rausarbeiten, dass es mit meinem Mutterthema zu tun hat.

Das bedeutet nicht, dass meine Mutter „schuld“ ist, sondern dass mein subjektives Erleben, also wie ich als Kind manches erlebt habe, mein Verhalten geprägt hat.

Das Verhalten anderer Menschen, insbesondere der Menschen denen wir anvertraut sind, prägt uns. Gerade Kinder lernen durch Imitation. Das bedeutet wiederum, dass sie sehr genau beobachten und auch, dass sie jedes Detail wahrnehmen.

Ich erlebe das immer wieder, wenn ich zum Beispiel draußen stehe zum Rauchen. Oft „erwische“ ich mich dabei, dass ich genau so da stehe wie mein Stiefvater da stand, als er noch geraucht hat. Oder dass ich auf dem Sofa liege wie er oder auf dem Stuhl sitze wie er.

Bezogen auf meine Mutter habe ich eher andere Sachen abgeguckt. Die Tupperdosenschubladenordnung zum Beispiel. Die Art und Weise, die Wäsche aufzuhängen. Oder wie rum die Klopapierrolle richtig drin hängt.

Interessant.

Aber das bedeutet doch auch, dass ich mir von meinem himmlischen Vater jede Menge abgucken kann… oder?

Happy new YEAR!

Ein neues Jahr hat begonnen. Der Jahreswechsel war schön. Wir machten Musik für Gott und tanzten in seiner Gegenwart. Wow. Was für eine Erfahrung!

Inmitten von Umbau, Frust, Krise, und Wahrheit die mir gar nicht schmeckt, höre ich immer wieder die Zusage „Gott liebt dich!“

Ich zweifel daran. Kann es nicht glauben. Will es nicht glauben.

Bockig, widerstrebend, kratzbürstig renne ich durch die Tage und weiß nicht wohin mit mir und meinem Frust. Mein Umfeld bekommt meinen Unmut ab und muss mich aushalten.

Nein, es gab kein Glitzerwunderstaubwölkchenmoment und alles war wieder gut. Ich trage viele Steine in mir und möchte am liebsten flüchten. Schlafen. Therapie abbrechen. Alleine sein.

Wieso ist alles was ich tue falsch? Manipulativ? Nicht gut?

Ich weiß es nicht. Noch blicke ich nicht durch. Es ist viel Chaos in mir. Keine klaren Gedanken. Keine Erklärungen. Bedeutungen. Einsehen.

In allem was ich tue bin ich unsicher. Habe Angst, eine Katastrophe auszulösen. Falsch zu handeln, denken und fühlen.

Doch wie soll ich das ändern?

Ich weiß es nicht.

Und inmitten meines inneren Orkans höre ich „Gott ist für dich. Wer kann gegen dich sein?“

Ob das so stimmt?

Ich weiß es nicht.

Alte Fallen neu aufgestellt…

Es ist Montag. Gemeinsam mit Gertrud fahre ich morgens zum Buchladen um das Schaufenster adventlich umzudekorieren. Gemeinsam geht das ganz gut und bald ist es geschafft.

Nachdem Gertruds Ladendienst zuende ist, übernimmt Anja den Dienst. Wir unterhalten uns und ich merke, dass sie irgend etwas in sich trägt, das zu mir gehört. Ich frage sie, ob etwas zwischen uns steht. Kurz zögert sie. Dann „packt sie aus“. Anja erzählt mir von Situationen, in denen ich mich nicht gut verhalten habe. Ich bin schockiert. „Du reißt alles an dich und jede Information geht an dich. Das sind für mich Machtspielchen.“ Bumm. Das hat gesessen. „Ich hab das Gefühl, ich bin kein vollwertiger Mitarbeiter bei dir. Sondern nur ein Lückenfüller.“ Die nächste Rechte.

Hab ich das tatsächlich getan? Mich tatsächlich so verhalten? Ich bin erschüttert und mir kommen die Tränen. Eigentlich will ich nicht weinen, verdrücke mir die Tränen.

Ich bin froh, dass Anja mir so offen geantwortet hat.

„Wie gehen wir jetzt mit dem Thema um?“, fragt sie mich. Tja. Gute Frage. Wir beschließen, dass Anja mir in Situationen, in denen sie bemerkt, dass ich mich falsch verhalte, direkt einen Hinweis gibt.

Was bedeutet diese Offenbarung aber für mich selbst?

Ich werde das ganze Mitarbeiterteam um Vergebung bitten müssen. Wollen. Sollen. Wie auch immer.

Wie sie wohl reagieren werden? Wütend? Erleichtert? Traurig? Ob sie wohl auf Abstand gehen werden? Oder mich gar rauswerfen?

Es ist die alte Falle, in die ich getreten bin. Manipulation. Rollentausch. Egozentrik. Narzissmus.

Ich muss es ändern. Will es ändern. Werde es ändern.

Neu mache ich mich auf. Neu raffe ich die Röcke und stapfe über die Steine des Alltags.

Ich werde nicht aufgeben! Weiter, weiter, weiter. Wütend stapfe ich innerlich auf. Trotzig sage ich der alten Eva erneut den Kampf an.

Irgendwie fühle ich mich befreit. In der Bibel steht in Johannes 8, 32 》Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien!《

So erlebe und empfinde ich es auch.

Und danke Gott für diese Freiheit.

Heute ist es sonnig draußen und die Luft ist klar. Ich liebe solche Tage. Mit Schlabberhose und Kuschelpulli klebe ich an der Heizung und beobachte die Welt da draußen.

Vägel sammeln sich in Scharen und bereiten sich auf den Winter vor. Eichhörnchen huschen durch den Garten. Die Fische im Teich gehen auf den Grund und beginnen die Winterruhe. Vereinzelt fliegen noch Bienen herum, auf der Suche nach pollenträchtigen Blumen. Doch auch die Blumen ziehen sich zurück. Bäume färben ihr Laub und lassen es zu Boden fallen.

Als ich ein einzelnes Gänseblümchen sehe frage ich mich, ob es mutig und hart gesotten oder ob es lebensmüde ist. Es wird erfrieren, wenn es sich nicht bald vor der Kälte schützt.

Und ich? Was passiert mit mir, wenn ich mich nicht auf den Winter vorbereite? Muss ich mich schützen, wenn ich durch den unbeleuchteten Park laufe spät abends? Was ist mit meiner Stimmung? Lauert die nächste Depression hinter dem Schatten des Herbstes? Jagen der Schnupfen und die Erkältung mir nach, wenn ich keine Jacke anziehe? Gebe ich meinem Verlangen nach und ziehe mich vor den Menschen zurück? Schlafe ich mehr als sonst?

Noch bin ich nicht tief gefallen, in die sonst jährliche Herbst- Winterdepression. Kein Schnupfen, keine Erkältung, keine nächtlichen Krisensituationen. Doch in mir spüre ich, wie ich eigentlich darauf warte.

Ich frage mich warum. Warum rechne ich mit den Katastrophen? Ich habe in den letzten fast anderthalb Jahren viel udn intensiv an mir gearbeitet. Wäre es nun nicht an der Reihe, das Gute zu erwarten?

Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, dass es grad ganz gut läuft mit dem Aufstehen, dem Duschen und der Stimmung. Es ist wie ein Lohn für meine Arbeit. Und auch ein Geschenk von Gott.

Ich beschließe, das Gute zu erwarten. Und die Angst vor der Dunkelheit loszulassen.

Die vergangenen Jahre waren geprägt von Depression und Dunkelheit. Es ist mir bekannt. Ich hab mich „eingerichtet“ damit. Es loszulassen fällt mir schwer. Denn das Neue, ein Leben ohne seelischem Mühlenstein und Depression – es ist unbekannt für mich. Ich weiß nicht, was kommt. Wie es läuft und wohin es führt. Doch ich will raus aus den alten Mustern und rein in ein neues Leben.

Also fälle ich die Entscheidung.

Und warte gespannt, was die Tage bringen.

R.I.P. – wenn Freunde sterben

In den letzten Monaten und Jahren habe ich viele Freunde an die Ewigkeit „verloren“. Krankheit, Suizid, Alter – viele Art und Weisen, die das Leben beendet haben. Es schmerzt. Ich bin nun 30 Jahre alt und frage mich oft, wieso ich von Menschen umgeben bin, die dem Tod manchmal näher stehen als dem Leben.

Vergangenen Mittwoch hat sich meine Freundin Be das Leben genommen. Mit einem Medikamentencocktail und einer Überdosis Lithium.
Be und ich haben uns in einer Klinik kennengelernt und angefreundet. In den letzten Wochen ging es ihr schlecht und wir haben täglich – manchmal mehrfach – telefoniert.

Doch ich konnte ihr nicht helfen. Und ich habe nicht interveniert, trotz dass ich von ihren Suizidgedanken und -plänen wusste.
Das bedeutet, dass mich ganz klar auch eine Schuld trifft.

Diese Erkenntnis ist schwer zu ertragen. Auszuhalten.

Und ich werde wohl noch viel Zeit brauchen, um an den Punkt zu kommen, mich dafür nicht zu zerfleischen.

Mein Leben steht Kopf. Wie geht ich mit dieser Schuld um? Was mach ich mit dieser entsetzlichen Wut in mir drin? Gestehe ich Be dennoch auch diese Entscheidung zu, ihr Leben beendet zu haben? Kann ich es verstehen, nachvollziehen und trotzdem falsch finden? Was sagt Gott dazu?

Was denkt Gott überhaupt über Suizid? Todsünde? Unrecht? Freier Wille?

Meine Gedanken überschwemmen mich. Meine Augen fließen über. Mein Herz sticht vor Schmerz, Angst und Trauer.

Der alte Adam, die alte Eva…

Vor vielen Jahren spielte und sang ich in einem Musical mit, bei dem wir an einer Stelle einen Gottesdienst mit Gospelchor spielten. Der Bruder des Chorleiters spielte den Pastor und predigte. Es war der „Evangelisationsteil“ des Musicals. In einer der Predigten des Stückes sagte Matthias „Der alte Adam ist ersäuft. Doch vorsicht, er schwimmt noch an der Oberfläche!“. Der Name Adam wird auch häufig als Synonym für den Menschen gebraucht.

Nun, in meinem letzten Beitrag schrieb ich über Manipulation. Und darüber, dass ich mich gegen die Manipulation entschieden hatte. Tja. Es ging ein paar Tage ganz gut, doch dann kippte es wieder.

Vor ein paar Tagen lief mein Tag nicht gut. Beim Buseinsteigen gestolpert und auf der Nase gelandet, beim Arzt im Wartezimmer die Hose gerissen, Joghurtbecher im Rucksack explodiert, in einen Hundehaufen gesetzt, meine Bankkarte wurde vom Automaten gefressen, … Ein Tag voller Wahnsinn und Extreme für mich.
In mir türmten sich Anspannung, Wut, Selbstmitleid und die Sehnsucht danach, gesehen zu werden und Hilfe zu bekommen. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr wusste, wohin ich wie gehen sollte. Ich wollte niemanden mehr manipulieren und niemanden mehr belügen. Doch dieses Loch in mir, die verletzte Seele in mir, schrie danach, gesehen zu werden.
Dieses Kämpfen gegen das Loch, das Kämpfen gegen die Vergangenheit, das Suchen nach einem neuen, ehrlichen, aufrichtigen Weg – ich wollte nicht mehr.

Als ich nun abends nach Hause kam, buk ich noch einen Geburtstagskuchen für meinen Mitbewohner. Er gelang glücklicherweise. Doch da ich so frustriert war, kippte ich mir ne Flasche Rotwein hinter die Binden. Dann hab ich eine Erinnerungslücke.
Offensichtlich hab ich mich angezogen und bin laufen gegangen. Irgendwann muss ich dann zusammengeklappt sein und Passanten haben mich aufgelesen… jedenfalls wurde ich auf der Instensivstation wach und hatte überall Kabel und Schläuche an und in meinem Körper.
Es ging mir nicht gut. Ich schämte mich und wollte nach Hause. Doch nun im Nachhinein sehe ich auch, dass ich es genoss, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Es beschämt mich heute sehr, dass ich wieder alles und jeden manipuliert und instrumentalisiert habe, um mein Loch zu stopfen.

Als ich am nächsten Tag dann nach Hause durfte, hatte ich noch Buchladendienst, den ich auch wahrnahm. Danach bin ich nach Hause gefahren und sollte noch zu meiner Hausärztin. Doch bevor ich zu ihr ging, saß ich zuhause in meinem Zimmer und spürte wieder den Sog in mir. Ich wollte Zuwendung. Hilfe. Anleitung. Und plötzlich spürte ich Hass. Auf mich. Und griff zur Rasierklinge.

Bei meiner Hausärztin wollte ich die Schnittwunden eigentlich nicht zeigen, doch die Wunden am Unterschenkel bluteten plötzlich so stark, dass ich eine Blutspur hinterließ… Meine Hausärztin wollte mich in die Psychiatrie schicken, da ich bei ihr im Behandlungszimmer eine Art psychischen Zusammenbruchs hatte. Nein, das wollte ich nicht. Und ich konnte einen Handel mit ihr ausmachen: ich melde mich Montag bei ihr. Dennoch musste ich ins Krankenhaus um genäht zu werden.

Dort stellte mich die diensthabende Ärztin vor die Wahl: entweder ich stelle mich freiwillig sofort in der Psychiatrie vor, oder sie lässt mich zwangseinweisen.

Die erste Variante war mir deutlich lieber und so lies mich die Ärztin mit nem Krankentransport nach Homburg in die Psychiatrie bringen. Dort angekommen, brachte man mich auf die Geschlossene.

Schock.

Ich wollte nicht hier bleiben. Oder doch?

Als ich so da saß, verspürte ich den innigen Wunsch, hier bleiben zu dürfen. In der Psychiatrie. Hier könnte ich schlafen, schlafen, schlafen. Müsste nicht kämpfen. Bekäme Zuwendung. Es wäre für alles gesorgt. Etc.

Doch wäre es effektiv?

Nein, es wäre ein Rückschritt in alte Muster. Also entschied ich mich dagegen und kämpfte dafür, dass ich wieder gehen durfte. Was mir schließlich auch gelang.

Den Tag danach hatte ich eine Ergostunde. Frau S. nahm mich ziemlich hart ran. Sie war streng und kaltschnäuzig. Doch sie half mir, das Geschehen der letzten Tage realistisch zu sehen.

Trotz allem und trotz allen Entscheidungen weiß ich ehrlich gesagt nicht, wie ich den ganzen Müll nun bearbeiten soll. Klar, ich habe Entscheidungen getroffen, nicht mehr zu manipulieren und zu lügen und so weiter. Doch das Umsetzen in den Alltag, das ist schwer. Was tu ich, wenn Selbsthass mich erfasst und durchrüttelt? Was mach ich, wenn die Sehnsucht nach Zuwendung mich übermannt? Was, wenn? Was, falls?

So viele Fragen. Und ich fühle mich alleingelassen. Obwohl ich das nicht bin. Meine Freunde, Therapeutinnen und Mitmenschen unterstützen mich. Helfen mir. Gehen mit mir. Doch sie übernehmen nicht mehr meine Aufgaben.

Und das muss ich lernen: meine Aufgaben zu übernehmen.

Damit die alte Eva ersäuft ist und auch nicht mehr an der Oberfläche schwimmt.